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How to...: Wie verfasse ich mein Testament?

Kurz erklärt

Zusammenfassung: Ein Testament ist in Österreich nur gültig, wenn es die gesetzlichen Formvorschriften des ABGB einhält. Am einfachsten ist das eigenhändige Testament: Es muss zur Gänze handschriftlich geschrieben und eigenhändig unterschrieben sein ( § 578 ABGB ). Ein am Computer oder von dritter Hand geschriebenes (fremdhändiges) Testament braucht zusätzlich drei gleichzeitig anwesende Zeugen und einen handschriftlichen Zusatz, dass die Urkunde den letzten Willen enthält ( § 579 ABGB ). Daneben gibt es das öffentliche Testament vor Gericht oder Notar und in Notfällen das mündliche Nottestament. Wer sein Testament im Testamentsregister registrieren lässt, stellt sicher, dass es nach dem Tod auch gefunden wird.

Autor : Mag. Dorian Schmelz
Zuletzt aktualisiert : 10/2026
Voraussichtliche Lesedauer : 8 - 10 Minuten

1. Warum ein Testament?

Mit den Gedanken an das eigene Ableben beschäftigt sich niemand gerne. Dennoch lohnt es sich, kurzfristig vorzusorgen: Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge, die oft nicht dem entspricht, was man sich wünscht – etwa wenn ein Lebensgefährtin oder ein Lebensgefährte versorgt, ein Unternehmen in eine bestimmte Hand übergeben oder Streit unter den Angehörigen vermieden werden soll. Eine letztwillige Verfügung schafft hier Klarheit.

Unter dem Begriff der letztwilligen Verfügung fasst das Gesetz zwei Gestaltungen zusammen: Mit einem Testament setzen Sie eine oder mehrere Personen als Erben ein, gegebenenfalls nach Quoten (etwa zwei Personen je zur Hälfte). Mit einem Vermächtnis wenden Sie dagegen einzelne Vermögenswerte – etwa eine Wohnung, ein Bild oder einen Geldbetrag – bestimmten Personen zu, ohne sie zu Erben zu machen.

Kreuz – Symbolbild Testament und Nachlass

2. Was macht ein Testament gültig?

Das Testament ist eine einseitige, nicht empfangsbedürftige Erklärung, mit der Sie Ihre Rechtsnachfolge selbst bestimmen und von der gesetzlichen Erbfolge abweichen können (Testierfreiheit). Jedes Testament setzt voraus, dass Ihr Wille frei, ernstlich, bestimmt und in der gesetzlich vorgeschriebenen Form erklärt wird. Wer ein Testament errichtet, muss zudem testierfähig sein, also die Bedeutung und die Folgen der Verfügung verstehen können.

Besonders wichtig ist die Form: Ein Testament, das die Formvorschriften verfehlt, ist ungültig – es gilt dann die gesetzliche Erbfolge oder ein früheres Testament. Seit dem Erbrechts-Änderungsgesetz 2015, das 2017 in Kraft getreten ist, legt die Rechtsprechung die Formvorschriften streng aus. So hat der Oberste Gerichtshof ein fremdhändiges Testament für ungültig erklärt, weil die Zeugen auf einem losen, inhaltlich nicht mit dem Text verbundenen Blatt unterschrieben hatten (OGH 2 Ob 192/17z). Formfehler sind daher keine akademische Frage, sondern beschäftigen die Gerichte regelmäßig.

3. Private Testamente

3.1 Eigenhändiges Testament

Das eigenhändige Testament ist die einfachste Form. Es muss zur Gänze eigenhändig – also handschriftlich – geschrieben und von Ihnen eigenhändig unterschrieben werden (§ 578 ABGB). Ein am Computer geschriebener Text mit händischer Unterschrift genügt nicht. Datum und Ort sind nicht zwingend, aber dringend zu empfehlen: Sie helfen, bei mehreren Testamenten das jüngste festzustellen und Zweifel an der Testierfähigkeit auszuräumen.

Ein eigenhändiges Testament können Sie jederzeit ohne Zeugen und ohne Kosten errichten und ändern. Nachträgliche Ergänzungen sollten Sie jedoch ebenfalls handschriftlich verfassen und gesondert unterschreiben. Nachteilig sind zwei Punkte: Juristischen Laien unterlaufen bei komplexeren Konstellationen – größerem Vermögen, Unternehmen, Immobilien oder mehreren pflichtteilsberechtigten Personen – leicht inhaltliche Fehler. Und ein zu Hause aufbewahrtes Testament kann nach dem Tod verloren gehen, übersehen oder gar beseitigt werden.

3.2 Fremdhändiges Testament

Ein fremdhändiges Testament wird nicht von Ihnen selbst handschriftlich geschrieben, sondern etwa am Computer erstellt oder von einer anderen Person verfasst. Weil die Handschrift als Echtheitsnachweis fehlt, verlangt das Gesetz zusätzliche Förmlichkeiten (§ 579 ABGB):

  • Sie unterschreiben das Testament eigenhändig vor drei gleichzeitig anwesenden Zeugen.
  • Sie setzen einen eigenhändig geschriebenen Zusatz hinzu, dass die Urkunde Ihren letzten Willen enthält (etwa: „Das ist mein letzter Wille.“).
  • Die Zeugen unterschreiben auf der Urkunde selbst, jeweils mit einem eigenhändigen Zusatz, der auf ihre Eigenschaft als Testamentszeugen hinweist; ihre Identität muss aus der Urkunde hervorgehen.

Die Zeugen müssen den Inhalt des Testaments nicht kennen, wohl aber wissen, dass sie ein Testament bezeugen. Sie müssen volljährig, geistig dazu fähig, der Sprache des Testaments mächtig und unbefangen sein. Wer im Testament bedacht wird, sowie dessen nahe Angehörige können nicht gültig Zeugen sein (§ 588 ABGB). Gerade weil die Formvorschriften streng sind, sollte ein fremdhändiges Testament unter fachkundiger Anleitung errichtet werden.

3.3 Mündliches Testament (Nottestament)

Nur wenn unmittelbar die Gefahr droht, dass Sie sterben oder die Testierfähigkeit verlieren, bevor Sie anders testieren können, ist ein mündliches Testament vor zwei gleichzeitig anwesenden Zeugen möglich (§ 584 ABGB). Es verliert drei Monate nach Wegfall der Gefahr seine Gültigkeit und muss dann in einer der regulären Formen neu errichtet werden.

4. Öffentliches Testament

Ein öffentliches Testament wird vor Gericht oder vor einer Notarin oder einem Notar errichtet, entweder mündlich zu Protokoll oder durch Übergabe einer schriftlichen Erklärung. Diese Form bietet die höchste Sicherheit gegen Formfehler und Verlust. Für manche Personen ist sie sogar die einzige Möglichkeit: Mündige Minderjährige können nur mündlich vor Gericht oder Notar testieren (§ 569 ABGB); Ähnliches gilt für Personen, für die das Gericht dies im Rahmen einer Erwachsenenvertretung angeordnet hat, sowie für Menschen, die nicht lesen oder schreiben können.

5. Gemeinschaftliches Testament und Erbvertrag

Ehegatten und eingetragene Partner können ihren letzten Willen in einer gemeinsamen Urkunde festhalten (gemeinschaftliches Testament, § 586 ABGB); jeder kann seinen Teil aber weiterhin einseitig widerrufen. Bindend ist dagegen ein Erbvertrag. Er ist nur zwischen Ehegatten, eingetragenen Partnern sowie Verlobten unter der Bedingung der späteren Eheschließung möglich, bedarf eines Notariatsakts und kann höchstens drei Viertel des Nachlasses erfassen (§§ 1249 ff ABGB).

6. Testament aufbewahren, registrieren und ändern

Damit Ihr Testament nach Ihrem Tod auch tatsächlich berücksichtigt wird, sollten Sie es bei einer Rechtsanwältin, einem Rechtsanwalt oder einem Notar hinterlegen und im Testamentsregister der österreichischen Rechtsanwälte oder im Österreichischen Zentralen Testamentsregister der Notare registrieren lassen. Das Verlassenschaftsgericht fragt diese Register im Verlassenschaftsverfahren ab; registriert wird nur die Existenz und der Verwahrungsort, nicht der Inhalt.

Ein Testament können Sie jederzeit widerrufen – ausdrücklich, durch ein neues Testament oder durch Vernichtung der Urkunde. Beachten Sie außerdem: Wird Ihre Ehe oder eingetragene Partnerschaft aufgelöst, werden letztwillige Verfügungen zugunsten des früheren Partners grundsätzlich aufgehoben, sofern Sie nicht ausdrücklich etwas anderes angeordnet haben (§ 725 ABGB). Nach Scheidung, Heirat, der Geburt eines Kindes oder größeren Vermögensänderungen sollten Sie Ihr Testament daher überprüfen.

7. Pflichtteil: Wo die Testierfreiheit endet

Ganz frei sind Sie in Ihren Verfügungen nicht: Nachkommen sowie Ehegatten und eingetragene Partner haben Anspruch auf einen Pflichtteil in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils. Eltern sind seit 2017 nicht mehr pflichtteilsberechtigt. Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch gegen die Erben; er kann nur unter engen Voraussetzungen entzogen oder gemindert werden. Wie Sie Erbfolge, Pflichtteil und Vorsorgevollmacht aufeinander abstimmen, erklären wir ausführlich auf unserer Seite Erbrecht und Vorsorge in Österreich.

8. Wann ist rechtliche Beratung sinnvoll?

Fundierter Rat empfiehlt sich vor allem bei Patchwork-Familien und anderen komplexen Familienverhältnissen, bei größerem oder im Ausland gelegenem Vermögen, bei der Übergabe von Unternehmen oder Immobilien und immer dann, wenn Pflichtteilsansprüche naher Angehöriger berührt sind. Fehler in diesen Konstellationen können ein Testament anfechtbar machen und Kosten verursachen, die durch eine sorgfältig errichtete Verfügung leicht vermeidbar gewesen wären.

Unser Partner Mag. Dorian Schmelz ist auf Erbrecht sowie auf Rechtsfragen älterer Menschen, etwa Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, spezialisiert und berät Sie gerne.

9. Was kostet ein Testament und wie lange dauert die Errichtung?

Ein eigenhändiges Testament kostet nichts, birgt aber das Risiko von Form- und Inhaltsfehlern. Bei anwaltlicher Errichtung setzen sich die Kosten in der Regel aus dem Beratungsaufwand und den Barauslagen für die Registrierung im Testamentsregister zusammen. Bei einfachen letztwilligen Verfügungen ist mit Gesamtkosten im mittleren bis höheren dreistelligen Eurobereich zu rechnen; komplexe Verfügungen, etwa unter Einbeziehung von Unternehmen oder bei Auslandsbezug, sind entsprechend aufwendiger. In einfach gelagerten Fällen ist ein Testament binnen weniger Tage errichtet, in komplizierten Fällen kann die Vorbereitung einige Wochen dauern.

10. Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem eigenhändigen und einem fremdhändigen Testament?

Ein eigenhändiges Testament wird zur Gänze handschriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben. Ein fremdhändiges Testament wird etwa am Computer erstellt und braucht zusätzlich drei gleichzeitig anwesende Zeugen sowie einen handschriftlichen Zusatz, dass es den letzten Willen enthält.

Brauche ich für ein Testament einen Notar oder Anwalt?

Nein, ein eigenhändiges Testament können Sie allein errichten. Bei komplexen Vermögens- oder Familienverhältnissen ist fachkundige Beratung aber dringend zu empfehlen, damit das Testament formgültig ist und inhaltlich das bewirkt, was Sie wollen.

Wo sollte ich mein Testament aufbewahren?

Am sichersten bin ich bei einer Rechtsanwältin, einem Rechtsanwalt oder einem Notar mit Registrierung im Testamentsregister. So wird es im Verlassenschaftsverfahren sicher gefunden.

Gilt mein Testament nach einer Scheidung weiter?

Verfügungen zugunsten des früheren Ehegatten oder eingetragenen Partners werden mit der Ehe oder Partnerschaft grundsätzlich aufgehoben, sofern Sie nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart haben (§ 725 ABGB).

Was kostet die Errichtung eines Testaments?

Ein eigenhändiges Testament ist kostenlos. Bei anwaltlicher Errichtung sind einfachere Verfügungen mit Kosten im mittleren bis dreistelligen Eurobereich zu rechnen, komplexe Verfügungen sind aufwendiger.

11. Wir helfen weiter

Wir beraten Klientinnen und Klienten bei der Planung ihrer Vermögensnachfolge, etwa bei der Errichtung von Testamenten, Schenkungsverträgen auf den Todesfall oder Privatstiftungen; Besuche zu Hause oder im Seniorenheim bieten wir gerne an. Ebenso vertreten wir Nachkommen und andere Angehörige, die nach einem Todesfall Erb- oder Pflichtteilansprüche geltend machen möchten, etwa mit einer Erbrechts-, Erbschafts- oder Pflichtteilsklage. Weitere Details zu unserer Tätigkeit im Erbrecht finden Sie hier.

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